Prolog

 

16. Juni

 

Die Entführung

 

Enno saß auf seinem Ehrenplatz am Kopfende der Tafel und schaute nachdenklich zu Gesa hinüber. Heddas Freundin, die zuvor mit seiner Braut zur Toilette gegangen war, um ihr mit dem Brautkleid zu helfen, war bereits seit einigen Minuten wieder da. Wo steckt nur meine Frau?, fragte er sich. Ob alles in Ordnung ist? Er stand auf, um sie zu suchen. Auch wenn sie nahezu den gesamten Tag Seite an Seite verbracht hatten, vermisste er sie, sobald sie nur ein paar Minuten lang nicht bei ihm war. Die Hochzeit schien auch seine Gefühle noch einmal um ein Vielfaches verstärkt zu haben. Neben dem Eingang, der den Saal mit dem Hotelflur verband, gab es noch eine große Glastür, die hinaus auf die Terrasse führte. Durch das Glas hindurch erkannte er seinen Vater, der am Geländer lehnte und eine Zigarette rauchte. Er stand ganz alleine im Freien und Enno entschied spontan, sich zunächst doch um ihn zu kümmern. Als er die Terrassentür öffnete, hörte er ihn mit irgendjemandem sprechen. Aber außer ihm war niemand dort. »Mit wem redest du da?«, fragte Enno. Erschrocken zuckte Bento Frerichs zusammen. »Hast du mich erschreckt«, sagte er und presste sich die Hand, in der er keine Zigarette hielt, vor die Brust. »Ich rede mit deiner Mutter.« Bei der Vorstellung schossen Enno sofort die Tränen in die Augen. Den ganzen Tag über hatte er immer wieder an seine viel zu früh verstorbene Mutter denken müssen. »Du sprichst mit Mama?«, fragte er und wischte sich eine Träne von der Wange. »Natürlich«, antwortete Bento, so als sei es das Natürlichste der Welt. »Ich weiß nicht, wie gut sie uns von da oben aus sehen kann, darum erzähle ich ihr lieber noch einmal ganz genau, was heute alles passiert ist.« Enno fehlten die Worte. Obwohl er und sein Vater nie eine besonders körperliche Beziehung zueinander hatten, nahm er ihn jetzt in den Arm und drückte ihn ganz fest an sich. Schweigend genossen die beiden Männer die gegenseitige Nähe, die sie aufgrund völlig überholten Männlichkeitsdenkens viel zu lange nicht zugelassen hatten.  

»Ist es wirklich kein Problem für dich, dass ich Heddas Nachnamen angenommen habe?«, fragte Enno, nachdem er sich wieder aus der Umarmung gelöst hatte. Da Hedda bei ihrem letzten Fall der Mörderin auf die Schliche gekommen war, hatte er, gemäß ihrer Abmachung, ihren Familiennamen angenommen. »Enno Böttcher«, sagte Bento mit gespielter Strenge. »Du bist mein Sohn, ganz gleich wie du heißt, und deine Mutter und ich sind furchtbar stolz auf das, was aus dir geworden ist.« Wieder schossen Enno die Tränen in die Augen, und er breitete die Arme aus, um seinen Vater erneut an sich zu drücken. Doch genau in diesem Moment riss Heddas Mutter die Terrassentür auf und stürmte auf die beiden Männer zu. »Enno! Hedda …« Sie war ganz aufgeregt. »Da waren plötzlich vier vermummte Männer. Sie haben sie in ein Auto gezerrt und sind mit ihr davongefahren.« Entsetzt schaute Enno seine Schwiegermutter an. Er wollte sie gerade fragen, ob er sie richtig verstanden hatte, als auch Heddas Vater auf die Terrasse hinausgestürmt kam. Völlig außer Atem blieb er direkt vor seinem frischgebackenen Schwiegersohn stehen. »Ich bin ihnen nachgerannt, aber sie waren einfach zu schnell«, japste er. Dann griff er in die Innentasche seines Jacketts und holte einen zusammengefalteten Zettel heraus. »Das hier haben die Entführer zurückgelassen.« Enno riss das Papier an sich, faltete es auseinander und las die Botschaft, die aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben bestand. »Hedda gehört zu mir! Wenn du sie haben willst, musst du sie schon suchen«, las er den Text so leise, dass die Umherstehenden ihn kaum verstehen konnten. Stefan!, schoss ihm sofort der Name von Heddas Stalker durch den Kopf. Mit Sicherheit steckte er hinter der Entführung. Ohne große Erklärungen eilte er in den Saal und ließ Heddas verdutzt dreinblickende Eltern und seinen Vater auf der Terrasse zurück. Nicht eine Sekunde hatte er daran gedacht, die Polizei zu rufen. Stattdessen steuerte er sofort auf den Tisch zu, an dem Jörg, Fiona, Keno, Karsten, Hans und Renate saßen. Die Mitglieder seiner Geheimeinheit mussten ihm helfen, seine Frau so schnell wie möglich zu finden. »Hedda wurde entführt!«, platzte es aus Enno heraus. Mit beiden Fäusten stützte er sich auf der Tischplatte ab und warf einen Blick in die Runde. Allen war anzusehen, dass sie bis hierhin einen feuchtfröhlichen Abend verbracht hatten. »Du musst auch besser auf deine Braut aufpassen«, lallte Hans. »Nicht nur kleine Menschen können schnell mal verlorengehen«, scherzte der Kleinwüchsige weiter. Die übrigen Teammitglieder lachten daraufhin und schoben einige weitere nicht ernstgemeinte Ratschläge hinterher. »Ich glaube, es war Stefan«, warf Enno schnell ein. Sein besorgter Gesichtsausdruck ließ keinen Zweifel daran, dass er keinen Spaß machte. Nicht alle Mitglieder der Geheimeinheit konnten mit dem Namen von Heddas Stalker etwas anfangen, aber Jörg und Karsten blieb sofort das Lachen im Halse stecken. »Das hier hat mein Schwiegervater gefunden.« Er warf die Botschaft der Entführer auf den Tisch. »Enno.« Zaghaft tippte Heddas Mutter ihm auf die Schulter. »Jetzt nicht!«, blaffte der seine Schwiegermutter etwas zu barsch an. In diesem Moment wurde ihm zwar bewusst, dass sie sich sicher wundern musste, warum er in dieser brisanten Situation ausgerechnet an diesen Tisch gestürmt war, anstatt die Polizei zu verständigen. Immerhin hielten alle Familienmitglieder die Gäste an dieser Tafel entweder für Mitarbeiter des Krimens-Verlages, für den Hedda ihre Kriminalromane schrieb, oder aber für Streetworker-Kollegen von Enno. Aber für Erklärungen hatte er jetzt wirklich keine Zeit. Energisch sprang Jörg von seinem Stuhl auf. »Wir müssen sofort etwas unternehmen!«, rief er in die Runde. Sein Alkoholpegel schien schlagartig auf die Nulllinie gesunken zu sein. »Wir sind alle betrunken«, warf Fiona besorgt ein. »Wir sollten lieber die Polizei rufen!« Noch im selben Moment zog sie ihr Handy hervor und wischte hektisch auf dem Display herum. »Stopp!« Heddas Vater stand plötzlich hinter Fiona und riss ihr das Handy aus der Hand. »Das ist doch alles nur ein Spiel!« Verdattert schauten ihn alle an. Durch die vielen Mordfälle, die die Mitglieder der Geheimeinheit bereits erlebt, und den Alkoholpegel, den sie im Laufe der Feier aufgebaut hatten, waren sie bis gerade nicht einmal auf die Idee gekommen, dass sich Heddas Verschwinden ganz banal durch den alten Brauch der Brautentführung erklären lassen könnte. Dabei wurde die Braut nämlich im Verlaufe der Hochzeitsfeier gekidnappt und musste anschließend vom Bräutigam gesucht und ausgelöst werden. Diese Tradition sollte symbolisieren, dass sie sich aus dem Elternhaus verabschiedete, um mit ihrem frisch Angetrauten in einen ganz neuen Lebensabschnitt zu starten. Enno spürte die fragenden Blicke, die auf ihm ruhten. Wie nur sollte er erklären, dass er derart überreagiert hatte und in seiner ersten Reaktion ausgerechnet zu diesem Tisch gestürmt war?

 

1. Kapitel

 

Sonntag

 

Leiche im Gepäck

 

Hedda und Enno saßen in Dubai am Flughafen und warteten auf ihren Anschlussflug, der sie zurück nach Deutschland bringen sollte. Hinter ihnen lagen vierzehn wundervolle Tage auf Mauritius, in denen sie vornehmlich die südostasiatische Insel bereist, die dortige Kultur erkundet und das schöne Wetter an dem traumhaften Hotelstrand genossen hatten. Da sie ihren letzten Urlaubstag in vollen Zügen genießen wollten, hatten sie kaum geschlafen und waren jetzt dementsprechend müde. »Herr Böttcher.« Hedda genoss es noch immer, ihren Mann mit seinem neuen Familiennamen anzusprechen. Dass er bereit gewesen war, ihren Namen anzunehmen, bedeutete ihr wahnsinnig viel. »Wie siehst du denn wieder aus?« Sie feuchtete ihre Fingerkuppen an und strich Enno damit über die Stelle des Kopfes, an der seine Haare nach einem kurzen Schläfchen im Wartebereich des Flughafens wild zu allen Seiten abstanden. »Lass das!«, schimpfte Enno und schaute sich peinlich berührt um. »Hoffentlich hat das niemand gesehen.« Er strich sich mit der flachen Hand mehrfach über den Kopf, um so seine widerspenstige Frisur wieder in Form zu bringen. »Nun hab dich doch nicht so«, lachte Hedda und versuchte erneut, mit ihren feuchten Fingern nachzuhelfen. Kopfschüttelnd hinderte Enno sie daran, indem er sie am Handgelenk festhielt. »Manchmal denke ich, ich hätte dich bei der Brautentführung nicht auslösen sollen«, scherzte er und grinste seine Frau feist an. Die Erinnerung an die Hochzeitsfeier kam bei beiden wieder hoch. »Zum Glück hast du damals so blitzschnell reagiert«, sagte Hedda. »Blitzschnell?«, wiederholte Enno. »Du meinst die halbe Ewigkeit, nach der ich erst gecheckt habe, dass es sich um einen Scherz handelt und du nicht wirklich von Stefan entführt worden bist?« Bei dem Gedanken daran musste er über sich selbst den Kopf schütteln. »Ich meinte, wie du unseren Familien erklärt hast, warum du so panisch zum Tisch von Jörg und den anderen gelaufen bist.«

Nachdem sein Schwiegervater ihn auf der Hochzeitsfeier darüber aufgeklärt hatte, dass es sich bei Heddas Entführung lediglich um eine alte Hochzeitstradition gehandelt hatte, konnte Enno den verwirrten Gästen glaubhaft machen, er habe das von Anfang an gewusst und deshalb nur so getan, als wäre er vollkommen durchgedreht. Weiter behauptete er, Jörg, Fiona und die anderen Arbeitskollegen waren im Vorfeld von ihm in seine Pläne eingeweiht worden und hatten daher so überzeugend mitgespielt. Danach hatte er sich in Begleitung von seinem Schwiegervater, Heddas Onkel Willm und seinem eigenen Vater auf die Suche nach seiner verlorengegangenen Braut gemacht und diese schließlich in einer nahe gelegenen Kellerbar gefunden. Dort musste er dann dem Wirt ein Ständchen singen, Hedda vor allen Kneipengästen noch einmal seine Liebe gestehen und die Deckel für die angeheuerten Entführer bezahlen, ehe er seine Frau endlich wieder in die Arme schließen konnte. »Und dann mussten wir Walzer tanzend aus der Kneipe verschwinden«, beendete Enno das gemeinsame Schwelgen in den Erinnerungen. »Ein Wunder, dass wir uns auf der steilen Treppe nicht wenigstens beide Beine gebrochen haben«, lachte Hedda, schmiegte sich an ihren Mann und legte ihren Kopf auf seiner Brust ab. Auch sie war furchtbar müde. *** Auf dem mehrstündigen Flug von Dubai nach Hamburg konnten beide ein wenig schlafen, sodass sie nicht mehr ganz so erschöpft waren, als sie das Gepäck in den Kofferraum von Ennos altem Polo schoben und anschließend aus dem Parkhaus fuhren, um sich auf den Rückweg nach Wilhelmshaven zu machen. Als sie sich gerade auf der Autobahn befanden, neigte Hedda ihren Kopf zur Seite und lächelte Enno zufrieden an. »Weißt du, was mir gerade auffällt?«, fragte sie. »Dass ich ein verdammt attraktiver Autofahrer bin?« Enno schaute ihr kurz in die Augen und grinste breit, richtete seinen Blick dann aber sofort wieder auf die vor ihm liegende Straße. »Das auch. Aber mir ist gerade aufgefallen, dass dies schon der zweite Urlaub war, in dem wir keine Leiche gefunden haben.«

»Stimmt. Anscheinend haben wir gerade eine echte Glückssträhne«, lachte Enno. Er erinnerte sich an die schöne Zeit auf Langeoog, in der Hedda und er auch die gemeinsamen Eheringe selbst hergestellt hatten. Unbewusst streichelte er mit dem Daumen über das Schmuckstück, an das er sich nach zwei Wochen Ehe schon so sehr gewöhnt hatte, dass er es gar nicht mehr wahrnahm. Der Ring gehörte jetzt ebenso zu ihm wie seine Frau und der neue Familienname. »Wobei mir eine Leiche auf Mauritius egal gewesen wäre. Das liegt ja nicht in unserem Aufgabengebiet«, scherzte er weiter. In diesem Moment klingelte Heddas Handy. »Es ist Jörg!«, stellte sie überrascht fest. Sie hatten ihre Diensthandys während der Flitterwochen ausgeschaltet zu Hause gelassen, und Hedda hatte eigentlich nicht mit einem Anruf ihres Geheimdienstleiters auf ihrem privaten Smartphone gerechnet. »Vielleicht will er ja nur fragen, wie unser Urlaub war«, sagte Enno schulterzuckend, rechnete aber eigentlich eher mit einem neuen Mordfall, den es aufzuklären galt. Hedda nahm den Anruf entgegen, begrüßte ihren Chef und aktivierte die Freisprechfunktion, damit auch Enno ein paar Worte an ihn richten konnte. Nachdem sie ein paar Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht hatten, kam Jörg dann ziemlich schnell zur Sache. »Es tut mir leid, dass ich euch gleich nach der Landung damit behelligen muss, aber wir haben einen neuen Fall.« Enno und Hedda tauschten einen kurzen Blick und wussten sofort, was der jeweils andere dachte. So merkwürdig es auch war, aber irgendwie freuten sie sich auf eine neue Aufgabe. »Kein Problem. Worum geht es?«, entgegneten beide daher im Chor und mussten aufgrund der perfekten Synchronität, in der sie auch früher schon oft gemeinsam gesprochen hatten, grinsen. Jörg fasste die relevanten Eckdaten kurz für sie zusammen. »Erst heute Morgen entdeckte ein Spaziergänger hinter den leerstehenden Verkaufsräumen eines ehemaligen Autohändlers in Wiesmoor die Leiche einer jungen Frau. Sein Hund hatte sich losgerissen und ihn dann direkt zu der Toten geführt. Das Opfer hieß Ada Oltmanns und war gerade einmal dreiundzwanzig Jahre jung.« Hedda musste an Bernie denken. Der niedliche Dackel hatte sie auf Baltrum ebenfalls zu einer Leiche geführt. Wer weiß, wie viele Leichen Enno und ich in den letzten Jahren noch gefunden hätten, wenn wir auch Hundebesitzer wären, dachte sie. »Die Tote hatte ein schickes Abendkleid an, trug eine Schärpe und in ihrem Haar steckte ein Diadem.« »Eine Schärpe?«, fragte Enno. »So ein Ding, das man umgehängt bekommt, wenn man einen Schönheitswettbewerb gewonnen hat«, klärte Hedda ihren Mann auf. »Genau«, bestätigte Jörg. »Das Opfer hat semiprofessionell gemodelt und bereits einige Schönheitskonkurrenzen gewonnen. Die Schärpe stammte von einem ihrer früheren Siege, allerdings wurde sie verändert. Jemand hat mit schwarzem Permanentmarker den eigentlichen Titel mit ›Zombie-Queen‹ überschrieben.« »Zombie-Queen?«, echoten die Frischvermählten erneut. »Weiß man schon, warum gerade dieser Begriff verwendet wurde?«, fragte Enno. »Wir können nur mutmaßen, dass es etwas mit der bevorstehenden Wahl zur Blütenkönigin zu tun haben könnte. Vielleicht wollte der Täter damit andeuten, dass sie jetzt nur noch eine Schönheitskonkurrenz im Reich der Toten gewinnen kann.« Hedda und Enno kannten das Blütenfest in Wiesmoor, das jedes Jahr gegen Anfang September stattfand. Es war zwar das größte seiner Art im ganzen norddeutschen Raum, aber sie konnten sich dennoch nicht vorstellen, dass jemand zum Mörder geworden war, nur um eine potentielle Blütenkönigin zu ermorden. Sie hielten die Vermutung daher für unwahrscheinlich, gingen jedoch zunächst nicht weiter darauf ein. »Wie ist sie gestorben?«, wollte Hedda stattdessen wissen. Vielleicht konnte ihr ja die Vorgehensweise des Täters eine glaubhaftere Theorie liefern. »So wie es aussieht, ist Ada Oltmanns mit einem Kabel oder einem vergleichbaren Gegenstand erdrosselt worden. Auf jeden Fall waren entsprechende Male an ihrem Hals deutlich sichtbar. Die Obduktion läuft aber noch.« »Ist sie auch vergewaltigt worden?« Enno musste an Lieske, das Opfer aus ihrem letzten Fall, denken. »Dem ersten Anschein nach sieht es nicht danach aus«, antwortete Jörg. »Wie lange ist sie schon tot gewesen?«, fragte Hedda.

»Noch nicht lange, maximal achtundvierzig Stunden, hat man mir gesagt.« Verblüfft schaute Hedda ihren Mann an. Bisher waren sie zumeist zufällig über die Opfer gestolpert oder aber erst offiziell mit der Ermittlung beauftragt worden, wenn der entsprechende Mord auch nach etlichen Monaten noch nicht aufgeklärt werden konnte. »Warum werden wir jetzt schon zu dem Fall hinzugezogen?«, sprach Enno laut aus, was Hedda durch den Kopf ging. »Die Polizei hat doch sicher gerade erst mit ihren Ermittlungen begonnen.« »Das Innenministerium will mit unserem Projekt den nächsten Schritt wagen und uns zukünftig auch parallel zur Kriminalpolizei ermitteln lassen«, verkündete Jörg mit einem unüberhörbaren Stolz in seiner Stimme. Nachdem erst kürzlich die Landkreise Friesland und Emsland zur zweiten Testregion erklärt worden waren, empfand er auch diese Entscheidung als weitere Bestätigung seiner erfolgreichen Arbeit. »Außerdem scheint dieser Fall nicht nur durch das Abendkleid besonders mysteriös. Adas Auto wurde auf einem kilometerweit entfernten Pendlerparkplatz gefunden. Ihr Handy lag in der Mittelkonsole. Ob sie es absichtlich dort gelassen oder nur vergessen hat, wissen wir nicht. Außerdem befand sich an ihrem Wagen ein kleiner Peilsender.« »Das klingt wirklich alles sehr merkwürdig. Und wie hast du dir das genau vorgestellt?«, wollte Hedda wissen. »Ich habe in den vergangenen Stunden schon einen genauen Plan ausgearbeitet. Ich schicke euch meine Notizen gleich per E-Mail, dann muss ich euch nicht alles erzählen und ihr könnt es mehrfach nachlesen. Details können wir ja dann besprechen, wenn ihr wieder zu Hause seid und euch ein paar Stunden ausgeruht habt.« Nur wenige Minuten nachdem Jörg das Telefonat beendet hatte, traf auch schon die versprochene E-Mail samt diverser Anhänge ein. Die junge Ermittlerin öffnete die Nachricht auf ihrem Smartphone und las Enno den Wortlaut vor. Doch als sie den ersten Anhang öffnete und den Inhalt des Dokumentes mit den Augen überflog, runzelte sie verwundert die Stirn. »Was soll das denn?«